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dicker Hund
Level 13
XP 2.552
Eintrag: 10.02.2019

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Dirty Harry

Herstellungsland:USA (1971)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Krimi
Alternativtitel:Harry El Sucio
L'Inspecteur Harry

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,01 (36 Stimmen) Details
inhalt:
Diese Rolle wurde zu seinem Markenzeichen: Clint Eastwood spielt einen kaltschnäuzigen Detective, der in San Francisco rigoros aufräumt. Ein Heckenschütze (Andy Robinson), der sich Scorpio nennt, hat bereits zwei Morde begangen. Harry Callahan wird den Täter schnappen - so oder so. Denn Vorschriften sind nicht sein Ding.
eine kritik von dicker hund:

Don Siegel ("Die Dämonischen") führte 1971 die Regie bei einem Polizeithriller, der es auf vier Fortsetzungen brachte und zahlreiche spätere Werke inspirieren sollte. So erinnern schon die gelben Credits an Tarantino, während das Motiv des unerwünschten Partners des Polizeiinspektors spätestens bei einem Rettungseinsatz für einen Suizidenten mit "Lethal Weapon" in Verbindung gebracht werden dürfte. Ja, "Dirty Harry" warf seine Schatten voraus, wie es die imposanten Hochhäuser in den Panorama-Aufnahmen der Stadt San Francisco tun. Gleich ob von einem ihrer Dächer oder von einem Hubschrauber aus, die Vogelperspektiven sind ein absolutes Highlight des Films, gipfelnd in der genialen Stadionszene.

Hauptdarsteller des dreckigen Cops ist Clint Eastwood, der "Fremde ohne Namen", der "für eine Handvoll Dollar" tätig wird. Den Zynismus dieses Raubeins weiß er mit einem Ausdruck zu füllen, der in extremen Momenten in aufkeimenden Irrsinn eskaliert, der im Blick vor sich hinfunkelt. Ansonsten gibt es von ihm gerne mal einen lockeren Spruch zu hören oder ein Grinsen zu seriöser Ermittlertätigkeit wie einer Scheinhinrichtung  zu betrachten (Humor 2/10). Im Originalton erfährt man dabei, wie der Oneliner "Well, I guess you didn't feel so lucky, punk!" aus dem kultigen Ego-Shooter "Duke Nuk'em" zustandekommt. Doch selbst in der etwas zahmeren deutschen Synchro wird schnell klar, warum auch John Wayne für die Rolle im Gespräch war:

"Lassen Sie mich dieses Vieh fangen."

Gemeint ist der "Skorpion", noch wahnsinniger gespielt von Andrew Robinson, welcher im Lieblingsgenre des Autoren dank "Hellraiser" und "Chucky 3" kein Unbekannter ist. Seine Figur sorgt für eine Telefonzellenschnitzeljagd, wie sie noch einmal in "Stirb langsam 3" aufgenommen wurde, heute aber so nicht mehr denkbar wäre. Derlei Verfolgungsszenarien leben von durchdachten Stunts und gelassen choreografierter Action, die ohne Schnittgewitter und Illusionen aus dem Computer auskommt. In Begleitung der jazzigen Bassgitarre und der launigen Drums erweisen sie sich als erfreulich zeitlos.

Noch immer unangenehm fühlt sich das Verhalten des Antagonisten gegenüber Kindern an, welches zusammen mit der Aufnahme einer nackten Frauenleiche und Passagen in unwägbarer Finsternis für einen nennenswerten Horroranteil (4/10) sorgt. Sleazig wirken die gelegentlich eingestreuten Erotikandeutungen (Sex 3/10), wenn sie in Gestalt außergewöhnlicher Spannersituationen und Impressionen von Stripteaselokalen gute Gründe für das im Titel enthaltene Adjektiv liefern. Dieses bestätigt sich letztlich auch in den Gewaltspitzen (4/10), welche zwar mit wenig Kunstblut auskommen, aber kaltblütig und im Übrigen sicherlich nicht politisch korrekt kommentiert sind.

"Er hat seine Standpunkte."

Über das Selbstjustizmoment und die positive Darstellung brutaler Autorität lässt sich streiten, wobei der Kollege Punisher hierzu bereits eine angenehm treffende Reflektion auf dieser Seite hinterlassen hat. Als Denkanstoß taugte der Film indes wesentlich besser in seinem konkreten historischen Kontext, den wiederum der Kollege MortAhead ansprechend aufbereitet hat. Die aufgeworfene Schwäche des Rechtsstaats aufgrund der Doktrin "fruit of the poisoness tree" ist allerdings ein vor allem nordamerikanisches Problem, das sich in Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland, in denen es diese Regel nicht gibt, von vornherein nicht in solcher Schärfe stellt.

Technisch ist "Dirty Harry" nicht frei von kleineren Fehlern, die ab und zu als störend empfunden werden können. Bei der Kameraführung fällt bei einigen Schwenks ein dezentes Ruckeln auf, daneben stolpern einige Zooms unschön auf ihr Ziel zu. Das verwässert den Wein der bombastischen Perspektiven wie etwa auf das eindrucksvoll fotografierte Kreuz im Park ein bisschen. Die in den dunkel gehaltenen Szenen entstehende Spannung leidet daneben schon einmal an einer suboptimalen Ausleuchtung. Wenn man bis auf die Nasenspitze des schmierigen Bullen sowieso nichts erkennt, bleibt naturgemäß wenig Raum für unheimliche Schatten.

Trotzdem ist diese große Filmperle (8/10 Punkten) ein sehenswerter Klassiker im cineastischen Räuber-und-Gendarm-Spiel. Ihr Skandalcharakter ist inzwischen relativiert, so dass die eingeschränkte Jugendfreigabe der FSK konsequent ist. Als gediegen fiese Unterhaltung in behäbigem Tempo empfiehlt sie sich immer wieder gerne.

 

 

8/10
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Kommentare

10.02.2019 10:36 Uhr - Pratt
3x
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Schönes Review, toll geschrieben, von mir bekommt der Film sogar die Höchstwertung, ich halte den für einen absoluten Klassiker!!!

10.02.2019 12:54 Uhr - Punisher77
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Auch von mir ein großes Lob für Deine fundierte Kritik und vielen Dank für die Erwähnung meines Reviews! Der Film gehört zu meinen absoluten Lieblingsstreifen und landet mindestens einmal pro Jahr im Player.

10.02.2019 15:30 Uhr - Dissection78
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Fulminant wie immer. Ist halt ein echter dicker Hund! ;)

Zitat: "Technisch ist 'Dirty Harry' nicht frei von kleineren Fehlern, die ab und zu als störend empfunden werden können. Bei der Kameraführung fällt bei einigen Schwenks ein dezentes Ruckeln auf, daneben stolpern einige Zooms unschön auf ihr Ziel zu." Ich weiss jetzt nicht, ob das fehlerhaft ist, oder ob es von den Machern nicht doch bewusst so eingebaut wurde. Solch 'holprigen' Sachen in der Bildkomposition wurden in den späten 60ern und in den 70ern öfter gemacht, um ein (semi-)dokumentarisches Feeling zu erzeugen. Für meinen Geschmack ist das absolut in Ordnung (wenn ich ehrlich bin, ist's mir bisher gar nicht mal so deutlich aufgefallen - und ich habe den Film vor zwei Monaten zuletzt gesehen), aber okay, man kann sich vielleicht tatsächlich daran stören :)

Und ja, das Dirty-Harry-Theme höre ich immer wieder gerne, unter anderem auch wegen des tollen Zusammenspiels von Schlagzeug (John Guerin) und Bass (Carol Kaye).

10.02.2019 17:17 Uhr - Nubret
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Wie immer prima besprochen. Von mir gibt´s natürlich ein Pünktchen mehr.

10.02.2019 20:00 Uhr - dicker Hund
1x
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Besten Dank, liebe Freunde des dekadenstaubigen Films...

@Dissection
Du stellst implizit die interessante Grundfrage, ob beabsichtigte Stilmittel jemals Fehler sein können und ob man ihr intendiertes Wesen überhaupt feststellen kann. "Ja" und "manchmal" meine ich, lasse Deinen Einwand aber ansonsten einfach mal so stehen. Denn diesen Punkt kann man sicherlich mit guten Gründen anders deuten als ich.
😉

10.02.2019 23:14 Uhr - Dissection78
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Genau das ist ja generell das Schöne und Interessante an Filmen. Man kann darüber diskutieren, ob etwas beabsichtigt war oder unbeabsichtigt, aber zur jeweiligen Sequenz passend, oder ob ein Filmemacher einfach faul und dilettantisch arbeitete - wenn auch vielleicht nur in einzelnen Szenen.
Es gab und gibt Regisseure, die bewusst Fehler (bzw. Ungeplantes) in ihren Werken belassen, weil das Realismus suggeriert, doch eben nicht nur 'suggeriert', sondern weil es in dem konkreten Moment tatsächlich real ist.

Da fallen mir als Beispiele ein:
"Dirty Dancing" kann man bösartigerweise unterstellen, aus etlichen Outtakes zusammengeschnitten worden zu sein (u. a. wurde die genervte Reaktion von Patrick Swayze, weil Jennifer Grey in einer Sequenz immer wieder in Gelächter ausbrach, im fertigen Film belassen); "The Hateful 8" (jene Szene, in der Kurt Russell eine Gitarre zerschlägt - ein echtes, wertvolles Museumsstück - und die nicht gespielte, schockierte Reaktion von Jennifer Jason Leigh darauf, obwohl gerade die nicht unbedingt zu Leighs abgebrühtem Filmcharakter passt); "The Lost Boys" (in der Sequenz, in welcher einer von Kiefer Sutherlands Gefolgsvampiren getötet wird und Sutherland eine einzelne Träne die Wange herunterrollt, die tatsächlich aber durch schmerzende Kontaktlinsen hervorgerufen wurde, was jedoch just in diesem Moment einfach passte); bei der Verfolgungsjagd in "Bullitt" gab es einige Sachen, die so nicht beabsichtigt waren, die trotzdem im Endschnitt belassen wurden (und damit meine ich keine etwaigen Continuityfehler); der Hubschrauberabsturz in "Angriff der Killertomaten" war echt, da dort allerdings niemand zu Schaden kam, nutzte man das Material. Und es existieren mit Sicherheit noch unzählige Beispiele mehr ;)

11.02.2019 11:05 Uhr - Mr.Tourette
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Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 63
Wie immer verteilt unser Lieblingswauzzi Reviewleckerlis an uns. ;)

Dirty Harry sehe ich immer wieder gerne. Da passt alles zusammen. Und Harry Callahans Oneliner in der ganzen Reihe gehören zu den besten, die es gibt: "Opinions are like assholes, everybody's got one." ;)

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